Da wurde die Hexentochter noch wütender als
zuvor, denn ordentlich war sie nun wahrhaftig nicht.
Sie zauberte einen Marillenbaum und verwandelte den zweitältesten Prinzen in eine Blüte. "Auch du wirst erst erlöst werden, wenn du ein Mädchen findest, das die Blüte, die du bist, abreißt!"Sie trat vor den jüngsten Prinzen, aber der wollte auch nichts von ihr wissen. "Ich kann dich nicht heiraten, denn ich liebe dich nicht! Ich nehme nur ein Mädchen zur Frau, das mit mir meine Träume teilen und mit mir singen kann", sagte er.Da wurde die Hexentochter wütend wie noch nie zuvor in ihrem Leben. Sie zauberte einen riesigen Apfelbaum und verwandelte den Prinzen in eine kleine Apfelblüte."Dann warte, bis ein Mädchen die Blüte, die du bist, vom Baum zupft! Erst dann wirst du erlöst sein!", schrie sie voll Zorn, setzte sich auf ihren Hexenbesen und flog davon ... 

 

Das alte Waldweiblein

 

... Sogleich schickte er drei seiner Soldaten aus, um die alte Frau ins Schloss zu bringen. Denen war beim Auftrag des Königs gar nicht wohl, denn sie hatten.

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die Gerüchte über die Hexe gehört. Außerdem fürchteten sie den Wald, wo gefährliche Tiere hausen sollten. Doch sie konnten sich dem Befehl des Königs nicht widersetzen, also marschierten sie los. Mit jedem Schritt, der sie tiefer in den Wald führte, nahm ihre Angst zu. Einer schaute links, einer rechts und einer geradeaus, um ja keine Gefahr zu übersehen. Endlich kamen sie zu der schiefen Hütte der alten Frau. Die zog gerade ein paar Möhren aus der Erde, um sich aus ihnen eine Suppe zu kochen. Die Mohrrüben steckten im Boden fest und so musste sich die Frau plagen, um sie heraus zu bekommen. "Meine Lieben, sträubt euch doch nicht so, kommt nur! Versteckt euch nicht vor mir. Ich will aus euch ein Süppchen kochen", sprach die Alte zu den Möhren.Die Soldaten, die sich zwischen Büschen versteckt hielten, meinten freilich, die Hexe spräche mit ihnen. Sie dachten, ihr letztes Stündlein hätte geschlagen und sprangen auf, um ihrem Schicksal zu entkommen. Doch die Dornen und Zweige hatten sich in ihrer Kleidung verfangen. Mit Müh und Not gelang es ihnen frei zu kommen, aber ihre Uniformen hingen in Fetzen an ihren Leibern. Ihre Gesichter, Arme und

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