Daniel geliebt und davor – wie hieß er gleich?« »Jetzt sehe ich Timo wahrscheinlich nie wieder. Musst du immer alles kaputt machen?« Ein paar Tränen kullerten über ihre Wangen. Wenn Timo wirklich der war, für den meine Schwester ihn hielt, würde er sich schon wieder blicken lassen – verrückte Schwester hin oder her. Sie begriff einfach nur nicht, was für einen Riesengefallen ich ihr soeben getan hatte, aber irgendwann würde sie mir noch dankbar sein. Der Wasserkessel pfiff. Ich nahm ihn von der Herdplatte und suchte nach einer Abstellmöglichkeit, doch alles war mit benutztem Geschirr, Tassen und Gläsern vollgestellt. Plötzlich war mir, als würde alle Kraft aus meinem Körper weichen. Meine Beine zitterten, dann auch die Arme. Keinen Augenblick könnte ich länger den Teekessel halten, hastig stellte ich ihn wieder auf den Herd. Heißes Wasser platschte auf die Herdplatte. »Mir geht’s echt nicht gut. Und du räumst die Küche auf. Ich habe es satt, eure Putzfrau zu spielen. Ich... bin... krank!« Selbst meine Stimme klang schwach. Ich musste ins Bett. Sofort. Noch bevor ich die Tür erreichte, rief Corinna mir nach »Du hast mir gar

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nichts zu sagen. Du bist nicht unsere Mutter!« Nein, war ich nicht. Nur die drei Jahre ältere Schwester, die sich Sorgen machte, dass Corinna den gleichen Weg einschlagen könnte. 

 

Ich schreckte aus einem seichten Schlummer und wusste im ersten Moment nicht, wo ich mich befand. Da bemerkte ich Corinna, die in meinem Zimmer stand. Sie hielt einen damp- fenden Becher mit Tee in der einen Hand, mit der anderen streckte sie mir eine weiße Tablette entgegen. Aspirin. »Danke«, krächzte ich, nachdem ich mich mit einiger Astrengung im Bett aufgesetzt hatte, um das Medikament schlucken zu können. Corinna stopfte das Kissen hinter mei- nen Rücken und setzte sich auf die Bettkante. »Es tut mir leid, ich wollte dich vorhin nicht anschreien. Hier, ich hab dir Tee gemacht.« Gott sei Dank, Corinna war mir nicht mehr böse, weil ich Tim oder Tom oder wie auch immer er hieß, vergrault hatte. Ich wollte nicht immer die Vernünftige sein und doch blieb mir oft nichts anderes übrig. »Die Küche hab ich auch aufgeräumt. Ich wollte dir was zu essen machen, aber es ist kein Brot da.« »Im Schrank ist

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