Der Boden klebte unter meinen Füßen und auf den Oberschenkeln hatte ich Gänsehaut. Nur schnell in der Küche etwas zu trinken holen und dann wieder ins Bett. Auf der Couch im Wohnzimmer saß, nein, sie lag eigentlich eher, Corinna, meine kleine Schwester. Irgendein Junge, den ich noch nie zuvor gesehen hatte, lag neben ihr und hatte seine Hände scheinbar überall gleichzeitig. Die beiden waren offensichtlich zu beschäftigt, um mich zu bemerken. Vor Wut vergaß ich, wie dreckig es mir eigentlich ging. Mit drei Schritten war ich bei den beiden ineinander verschlungenen Körpern und tippte dem Jungen hart auf den Rücken. »Au!«, schrie er prompt und ließ von Corinna ab. »Hast du sie nicht alle?« Er sah mich abschätzend an. »Wer ist die durchgeknallte Tussi?«, wandte er sich an Corinna, die hektisch versuchte, ihre Kleidung zu richten. »Ich bin Theresa, Corinnas verrückte Schwester auf Klinikurlaub.« Der Junge riss die Augen auf. Offensichtlich glaubte er mir sofort, dass ich aus der Klapse kam, in meinem Zustand sah ich vermutlich wirklich ziemlich durchgeknallt aus. Aber das war mir herzlich egal, dieser Typ sollte gefälligst meine kleine Schwester in

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Ruhe lassen. Sie war erst vierzehn! Zu jung, um das zu tun, wobei ich sie gerade erwischt hatte. »Kli... Klinik?« Seine Stimme überschlug sich. Was Corinna bloß an dem Kerl fand? Er sah aus, als würde er noch Win- deln brauchen. »Leider darf ich nicht dauerhaft zu Hause bleiben. Die Ärzte meinen, ich kann erst wieder raus, wenn ich gelernt habe, Jungen, die meine kleine Schwester befummeln, nicht die Finger abzuschneiden.«  Ohne seine Antwort abzuwarten, drehte ich mich um und ging in die Küche. Die während meiner Grippe offensichtlich niemand sauber gemacht hatte. Zum Glück würde mir ein Tee fürs Erste reichen, mehr bekäme ich sowieso nicht runter. Ich füllte Wasser in den Kessel und stellte ihn auf die Herdplatte. Aus dem Wohnzimmer drangen Wortfetzen an mein Ohr, we- nig später schlug die Wohnungstür zu und Corinna rauschte in die Küche. Ihre Augen blitzten vor Wut. »Bist du von allen guten Geistern verlassen? Was sollte das?«, schrie Corinna. »Ich war im Fieberwahn. Wer weiß, was noch alles passiert wäre, wenn ich euch nicht unterbrochen hätte.« Corinna zog einen Schmollmund. »Und? Ich liebe Timo.« Ich seufzte. »Vorige Woche hast du

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