sie ihr Schutz. „Nein! Rühr mich nicht an!“, kreischte sie. Er hasste es, wenn sie hysterisch wurden. Dabei hatte er sein Messer hinter dem Rücken versteckt, um sie nicht zu beunruhigen. „In der Bibel steht geschrieben: Teile mit deinem Nächsten. Sieh es so: Ich verhelfe dir zu einem besseren Leben. Deine gute Tat bringt dich geradewegs ins Paradies.“So hatte er sich noch nie betrachtet. Er als Seelenretter. Das gefiel ihm. „Was willst du? Sex? Geld? Kannst du alles haben, nur lass mich gehen“, bettelte sie. Er verstand sie kaum, weil ihre Worte von Schluchzern zerrissen wurden, trotzdem erschloss sich ihm der Sinn dessen, was sie sagte. Wie vermessen von ihr zu denken, er wäre hinter Geld oder Liebe her. Aber es war ein nettes Spiel. Warum sollte erein Spielverderber sein? „Gut! Zieh dich aus.“Sie starrte ihn an, als könne sie es nicht glauben, dass er auf ihren Vorschlag einging. Als sie die Hoffnung zuließ, sie würde womöglich tatsächlich lebend hier herauskommen, hakte sie mit fliehenden Fingern die zierlichen Verschlüsse ihres Kleides auf und ließ es zu Boden fallen. Wäre es nicht so absurd gewesen, hätte er sich einreden können, sie sei eine 

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ungeduldige Geliebte, die es vor Lust nicht erwarten konnte. Auffordernd nickte er ihr zu. Luisa war so begierig, sich seinen Wünschen zu fügen, dass sie hastig den Verschluss ihres BHs löste und danach sogar unaufgefordert aus dem Slip schlüpfte. Ihre Unterwürfigkeit, ihr Anbiedern und vor allem ihre Einschätzung seiner Person, nur an Sex oder Geld interessiert zu sein, waren ihm unerträglich. Er unterdrückte den aufkeimenden Groll. Betont ruhig, als spräche er mit einem Kind, sagte er: „Ich will das alles nicht. Schon gar nicht das, was du mir so freizügig anbietest. Ich brauche nur deine Augen.“ Er trat einen Schritt näher und lächelte über ihren Versuch, den Abstand zwischen ihnen zu vergrößern. Dummes, dummes Mädchen! Er holte seine neueste Errungenschaft hinter dem Rücken hervor. Ein besonderes Messer, erst einmal verwendet, ein Liebhaberstück. Zärtlich drehte er es in der Hand, berührte sacht die Klingenspitze. Luisa schien das Messer nicht zu gefallen. Sie begann, schrille Schreie auszustoßen. Sie taten ihm in den Ohren weh. „Hör auf damit“, aber sie schrie weiter. „Hör auf“, brüllte er.

Für einen kurzen Augenblick zeigte sein Befehl

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