mit freundlicher Genehmigung des Piper Verlages

 

... Ihre Fingerspitzen berührten etwas Weiches, Samtiges.„Thomas?“, fragte sie flüsternd. „Da ist was.“Thomas griff nach ihrem Arm, und Jennifer schrie auf.„He, hier bin ich“, neckte er sie. Jennifer schüttelte seine Hand ab. „Das ist nicht komisch. Ich hab da was gespürt“, beharrte Jennifer. Sie hatte auf einmal gar keine große Lust mehr auf Sex. Es war eine Schnapsidee gewesen, hierherzukommen. Andererseits war das, was sie gespürt hatte, weder eklig noch unangenehm gewesen. Sie hatte sich lediglich erschrocken. 

 

Jennifer tastete erneut nach dem, was sie kurz zuvor berührt hatte. Nun, da sie darauf vorbereitet war, wurde sie mutiger. Da war es. Zart und weich. Und nun wusste sie auch, um was es sich handelte. Sie sog den schweren Duft ein.

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„Du bist verrückt.“ Erleichterung machte sich in ihr breit. Thomas hatte Lilien heraufgebracht. Einen ganzen Strauß. Vielleicht wollte er sie auf Blüten betten. Wie süß! Sie drehte sich zu ihm, um sich gebührend zu bedanken.

 

Da riss die Wolkendecke auf, Mondschein erhellte die Lichtung. Ihr strahlendes Lächeln gefror, als sie Thomas´ Gesichtsausdruck sah. „Heilige Scheiße!“, entfuhr es ihm, und er zeigte mit dem Finger an eine Stelle neben der Decke. Jennifer drehte sich um. Da war tatsächlich ein Bett aus Lilien. In diesem lag eine Puppe, bekleidet mit einem weißen Rüschenkleidchen. Jennifer wollte nach ihr greifen, doch Thomas hinderte sie daran. Da begriff sie: Die Puppe war gar keine. Das war ein echtes Baby. Reglos. Starr. Tot. Jennifer öffnete den Mund und begann gellend zu schreien. Sie hatte sich gewünscht, diese Nacht ewig in ihrer Erinnerung zu bewahren, immer an ihr erstes Mal zu denken. Stattdessen war diese Samstagnacht, die die schönste ihres Lebens hätte werden sollen, zu einem Albtraum geworden.

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