Wie schnell man doch mit einem Baby im Arm in dieses rhythmische Gehen hineinfand. Ein Urinstinkt.

„Wo sind deine Windeln? Deine Strampler?“
Sie erwartete keine Antwort, aber in dieser fremden Wohnung fühlte sie sich nicht wohl, und es gab ihr Sicherheit, die eigene Stimme zu hören. Sie betrat das Badezimmer. Ein einziges Chaos umfing sie. Weit und breit keine Windeln.In der Küche fand sie auch keine. Wo sonst sollte sie noch schauen? Sie konnte doch nicht jeden einzelnen Karton ausräumen.Die Frau betrachtete das kleine Gesicht.„Weißt du, ich hatte auch eine kleine Tochter. Sarah. Sie ist jetzt ein Engel.“ Das Baby krähte vor Vergnügen. Sie dachte nach. Alles in Sarahs Zimmer war unverändert geblieben: Kleidung, Windeln, das Mobiliar.
„Hast du Hunger?“ Natürlich hatte es Hunger. Sie würde hinüber in ihre Wohnung gehen, das Kind wickeln, es umziehen und es füttern. DieWohnungs-
türen würde sie offen lassen. Wenn die Mutter zurückkam, sollte sie nicht denken, jemand hätte ihr Baby gestohlen. Sie war vielleicht nur schnell Windeln besorgen.Doch welcher Supermarkt hatte rund um die Uhr geöffnet? Keiner. Da war allenfalls 

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die Tankstelle mit einem Shop ein paar Straßen weiter. Die hatte die ganze Nacht geöffnet. Wenn die Mutter dorthin gegangen war, würde es eine Zeitlang dauern, bis sie zurück war. Bestimmt wäre sie dankbar, dass sich ihre Nachbarin um das Kind gekümmert hatte. Vielleicht würden sie sich anfreunden, und dann könnte sie öfter auf das Kleine aufpassen.Sie drückte das Baby an sich und ihr Nachthemd wurde nun ebenfalls feucht. Es war höchste Zeit, es komplett umzuziehen.

 

Ob sie eine Nachricht hinterlassen sollte? In der Unordnung wird die ja doch nur übersehen. Nein, sie würde die Mutter hören.Das Baby sicher an die Brust gedrückt, verließ die Frau die Nachbarwohnung und ging in ihre eigenen vier Wände ...

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