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Jetzt, wo die Gestalt näher gekommen war, erkannte sie, um wen es sich handelte. Und auf der Decke, die er zog, lag leblos Anna-Maria, ihre Freundin. 

 

Ihre Augen brannten. Das konnte nicht sein – Anna-Maria und ...?! Sosehr sie sich auch bemühte, die Tränen wegzublinzeln, vor ihren Augen verschwamm es. Sie schaffte es gerade noch, ein Keuchen zu unterdrücken. Was sollte sie tun? 

 

Er erreichte die Anlegestelle und hievte den Körper in das Boot. 

 

Claudias Beine waren von der hockenden Stellung eingeschlafen. Beim Versuch, sie zu entlasten, indem sie sich mit den Händen aufstützte, knickte sie mit dem Handgelenk um und landete rücklings auf dem Boden. Ehe sie wusste, wie ihr geschah, war er schon bei ihr, packte sie unsanft an den Armen und zog sie hinter der Bank hervor. 

»Was tust du hier?«, zischte er. 

»Ich ... eigentlich habe ich nur ... ich warte auf ... ich wollte gerade weg ...«

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Für einen kurzen Moment schaute er ihr starr in die Augen, als wüsste er genau, was in ihr vorging. »Weg? Nein, das darfst du nicht. Du hast mich, sie ... gesehen.« Sein Blick wanderte unruhig zwischen Claudias Gesicht und dem Boot hin und her. »Aber es ist nicht, wie du denkst. Es ... ich wollte das nicht.« Mit einem Ruck zog er sie an sich heran und wisperte ihr ins Ohr: »Ich muss sie ver- schwinden lassen, verstehst du? Die finden sonst heraus, woran sie gestorben ist, und ich bin fällig.«

 

Claudia stieß ihn zitternd weg und versuchte, die Angst in ihrer Stimme zu unterdrücken. »Ich ... ich habe gar nichts gesehen! Lass mich los, ich muss gehen.«

 

Sie wollte loslaufen, aber er hielt sie immer noch fest am Arm gepackt. »Nichts musst du.« 

»Vielleicht lebt sie noch.« Ihre Stimme klang hoffnungsvoller, als sie sich fühlte. »Ich ... ich hole Hilfe.« Er schaute in Richtung Ufer des Sees. »Sie ist tot. In der Mitte ist er tief. Dort wird sie keiner finden.«

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